Wien (OTS) – Die chemische Industrie in Österreich schlägt Alarm:
Laut der
aktuellen Mitgliederumfrage des Fachverbands der Chemischen Industrie
Österreichs (FCIO) verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage
vieler Betriebe nach zwei schwierigen Jahren weiterhin spürbar. Rund
55 % der Unternehmen berichten über Umsatzeinbußen und nur 16 % sehen
eine positive Entwicklung. Nach einem verhaltenen Investitionsjahr
2024 musste auch 2025 fast ein Drittel Investitionen zurückfahren –
eine Verbesserung ist für die Branche in den kommenden Monaten nicht
in Sicht.
„Die Zahlen zeigen deutlich: Wir stehen unter massivem Druck“,
warnt Ulrich Wieltsch, Obmann des Fachverbands. Weiters betont er:
„Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, braucht es dringend eine
Reduktion der Energiekosten und Unterstützung gegen die zunehmende
Verwerfung auf den internationalen Märkten. Vor allem, da die
chemische Industrie als Zulieferer aller Branchen ein zentraler
Bestandteil der heimischen Wertschöpfungskette ist.“
Denn die Umfrage zeigt klar, wo die größten Belastungen liegen:
84 % der Unternehmen nennen die Arbeitskosten, 72 % die Energiekosten
und 65 % die zunehmende Regulierung und Bürokratie als zentrale
Wettbewerbshemmnisse. Auch die internationale Handelspolitik bereitet
Sorgen: 64 % berichten über negative Auswirkungen der US-
Handelspolitik und 53 % über Belastungen durch die chinesische
Wirtschaftspolitik.
Zwtl.: „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen“
Die chemische Industrie ist ein besonderer Sektor – sie ist die
Industrie hinter der gesamten Industrie: Rund 96 % aller in der EU
hergestellten Waren benötigen chemische Produkte als Vorleistung.
Ohne die Chemie gäbe es z. B. keine Fahrzeuge, keine Elektrogeräte,
keine Baustoffe und keine Energieversorgung. Ein Rückgang der
Investitionen oder eine Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen
hat spürbare Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft und
vergrößert die Abhängigkeit insbesondere von China.
Auf EU-Ebene wurde die Wichtigkeit des Chemiesektors bereits
erkannt: Mit dem European Chemicals Industry Action Plan (Europäische
Kommission, Juli 2025) wurden Maßnahmen angekündigt, um Energie- und
Rohstoffkosten zu senken, regulatorische Komplexität zu verringern
und Innovationen zu fördern. Jetzt gilt es, diese europäischen
Weichenstellungen auch in Österreich konsequent umzusetzen.
Der FCIO fordert daher rasches Handeln der Politik, um die
Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu gehören insbesondere:
–
die Senkung der Energiekosten: Neben der Ausweitung des
Stromkosten-Ausgleichsgesetzes 2025 (SAG 2025) auf die chemische
Industrie braucht es auch spürbare Entlastungen bei Netzkosten,
Steuern und der CO2-Bepreisung,
–
ein rascher und spürbarer Bürokratieabbau,
–
ein aktives Einbringen in die europäische Handelspolitik, um
Chancengleichheit auf den internationalen Märkten herzustellen.
„Industrielle Wertschöpfung ist kein Selbstläufer – sie muss
politisch ermöglicht werden. Was wir jetzt versäumen, lässt sich
später nicht mehr aufholen. Die Unternehmen brauchen umgehend
konkrete und spürbare Entlastungen. Die kommende Industriestrategie
muss diese Themen mit Priorität behandeln, wenn Österreich als
Industriestandort bestehen will “, so Wieltsch abschließend.
Über den FCIO
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist
die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in
Österreich. Die etwa 230 Mitgliedsunternehmen produzieren in
unterschiedlichen Sektoren z.B. Pharmazeutika, Kunststoffe und
Kunststoffwaren, Fasern, Lacke, Düngemittel oder auch organische und
anorganische Chemikalien. Die mehr als 50.000 Beschäftigten der
Branche stellten 2024 Waren im Wert von 19,3 Milliarden Euro her.
www.fcio.at