Wien (OTS) – Das aktuelle Bundesbudget 2027/2028 setzt auf die
zukunftsweisende
Sicherung der Sozialsysteme, verfehlt jedoch aus Sicht von dabei-
austria zentrale Zielsetzungen im Bereich Inklusion und
Jugendintegration. Insbesondere Menschen mit Behinderungen sowie
Jugendliche im Übergang von Schule in Ausbildung und Beschäftigung
sind im Budget strukturell unterrepräsentiert.
Finanzminister Markus Marterbauer spricht in seiner Budgetrede
vom 10. Juni 2026 von „der Stärkung unseres österreichischen Modells
einer erfolgreichen Wirtschafts- und Sozialpolitik“ und formuliert
die Bedeutung von politischen Schwerpunktsetzungen und
Priorisierungen. Dabei nennt er neben stabilen Staatsfinanzen auch
das Schwerpunktziel der Bundesregierung, die Senkung der
Arbeitslosigkeit.
Bei näherem Blick auf die Datenlage müssen wir jedoch
feststellen, dass Maßnahmen zur Beruflichen Inklusion von Menschen
mit Behinderungen keine Schwerpunktsetzung erfahren haben.
Zwtl.: Deutlicher Rückgang bei Mitteln für Menschen mit Behinderungen
Die vorgesehenen Bundesmittel sinken trotz steigenden
Gesamtbudgets deutlich: Von derzeit noch 186 Millionen Euro sollen
sie im Jahr 2027 auf 170,3 Millionen und im Jahr 2028 auf 152,8
Millionen reduziert werden. Das entspricht einem Rückgang von rund 18
% innerhalb von zwei Jahren.
„Hier entsteht ein klarer Widerspruch: Es wird von Inklusion und
Teilhabe gesprochen und im Strategiebericht zum Budget der Bezug zum
Nationalen Aktionsplan Behinderung zitiert – die tatsächliche
Schwerpunktsetzung durch Budgetmittel fehlt jedoch“, zeigt Eva
Skergeth-Lopič im Namen des Vorstandes von dabei-austria auf.
Zwtl.: Ausgleichstaxfonds nicht ausreichend dotiert
Der Ausgleichstaxfonds – als zentrales Finanzierungsinstrument
für berufliche Inklusion – wird im vorliegenden Doppelbudget
lediglich in seiner Liquidität abgesichert. Eine Stärkung zur
Förderung von Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen oder eine
strategische Weiterentwicklung ist nicht erkennbar.
Dabei geben die Fakten am Arbeitsmarkt einen klaren Auftrag:
Menschen mit Behinderungen sind im Schnitt 209 Tage arbeitslos – 77
Tage länger als der Durchschnitt. Gleichzeitig ist die
Langzeitbeschäftigungslosigkeit insgesamt um 13 Prozent gegenüber dem
Vorjahr gestiegen, bei Menschen mit Behinderungen um 20,7 Prozent.
Über den Ausgleichstaxfonds werden österreichweit zentrale
Angebote zur Beruflichen Assistenz finanziert: In mehr als 200
Projekten arbeiten rund 2.800 Fachkräfte für rund 100.000
unterstützte Personen pro Jahr.
Zwtl.: Berufliche Inklusion wirkt – auch im Alltag
Wie entscheidend diese Unterstützung ist, zeigt die aktuelle
Videoserie
„Mein Job, mein Alltag – Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben“
von dabei-austria : Am Beispiel von Elif, die als
Produktionsmitarbeiterin bei BILLA PLUS arbeitet, machen wir
sichtbar, was berufliche Assistenz konkret bewirkt: Sie ermöglicht
den Einstieg in den Arbeitsmarkt, stabilisiert Beschäftigung und
schafft realistische Perspektiven im Alltag.
„Hinter jeder Zahl steht ein konkreter Lebensweg. Berufliche
Assistenz macht den Unterschied zwischen Ausgrenzung und Teilhabe“,
verdeutlicht Christina Schneyder, Geschäftsführerin von dabei-austria
, und verweist auf die Erfolgszahlen der Arbeitsassistenz für
Erwachsene im Zeitraum Jänner bis August des Jahres 2025: Über 50
Prozent der begleiteten Personen fanden eine Beschäftigung und rund
85 Prozent bestehender Arbeitsverhältnisse am ersten Arbeitsmarkt
konnten gesichert werden. Das geht aus Zahlen der BundesKOST hervor.
„Jeder Euro, der in berufliche Assistenz investiert wird, spart
morgen ein Vielfaches an Sozial- und Folgekosten“, betont die
Geschäftsführerin von dabei-austria .
Zwtl.: Jugendliche als Schwerpunkt – Perspektiven am Arbeitsmarkt
In Zusammenhang mit der Stärkung der Finanzierung der
Sozialversicherung machte BM Markus Marterbauer in seiner Budgetrede
am Mittwoch dieser Woche deutlich: „Gerade in der Arbeitsmarktpolitik
investieren wir kräftig: Zusätzliche Offensivmittel in Höhe von 100
Mio. Ꞓ kommen innovativen Projekten zugute. Damit bekämpfen wir
Jugendarbeitslosigkeit. Zuletzt waren 30.000 Jugendliche arbeitslos
gemeldet. Jugendarbeitslosigkeit ist eine Geißel der Menschheit. Wir
ermöglichen die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre und tun alles, um
Jugendliche entweder in Ausbildung oder in gute Beschäftigung zu
bringen.“
„Mit der Ausbildungspflicht bis 18 Jahre setzt Österreich seit
zehn Jahren auf ein starkes Instrument zur Vermeidung von
Jugendarbeitslosigkeit“, erinnert Christina Schneyder. „Wir weisen
darauf hin, dass die Maßnahmen Jugendcoaching und AusbildungsFit mit
Blick auf die Zielquoten an Teilnehmer:innen auch tatsächlich
ausreichend dotiert sein müssen!“
Im Strategiebericht zum aktuellen Doppelbudget wird dargestellt,
dass dafür seit 2020 jährlich rund 57 Millionen eingesetzt werden.
Die Zahl der Jugendlichen, die sich weder in Ausbildung noch in
Beschäftigung befinden (NEET), ist zuletzt laut Budgetunterlagen auf
9,7 Prozent gestiegen. „Wir müssen in Frage stellen, ob dieses
Problem mit den eingestellten Budgetmitteln ausreichend
berücksichtigt wird“, so Schneyder.
Zwtl.: Forderungen von dabei-austria
Als Dachverband berufliche Inklusion fordern wir alle politischen
Kräfte im Zuge der aktuellen Budgetdebatte auf,
– ein klares Bekenntnis für eine proaktive Schwerpunktsetzung für
Maßnahmen der Beruflichen Inklusion für Jugendliche und erwachsene
Menschen mit Behinderungen abzugeben.
– eine Stärkung der Budgetmittel für Jugendliche (in der UG 20 Arbeit
) sowie für arbeitsmarktferne Personen mit Behinderung im
Erwerbsalter (in der UG21 Soziales und Konsumentenschutz – Maßnahmen
für Menschen mit Behinderungen) zu garantieren.
– die ausreichende Dotierung des Ausgleichstaxfonds als zentrales
Finanzierungsinstrument für Maßnahmen des BEinstG und seine
zukunftsweisende Weiterentwicklung zu sichern.
„Das vorliegende Doppelbudget 2027/2028 sichert wohl bestehende
Systeme im Sozialbereich, es verpasst aber die Chance, strukturelle
Herausforderungen bei der beruflichen Inklusion von Jugendlichen und
Erwachsenen wirksam zu adressieren. Ohne gezielt eingesetzte
Bundesmittel dafür bleiben zentrale gesellschaftspolitische Ziele
unerreicht“, sagt Eva Skergeth-Lopič.
Die neue Videofolge ist abrufbar unter:
Über dabei-austria : Der Dachverband berufliche Inklusion Austria
vertritt 97 Mitgliedsorganisationen. Ihr Ziel ist die Förderung von
Inklusion und beruflicher Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und
ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen.
Unsere Mitglieder setzen unter anderem im Netzwerk Berufliche
Assistenz (NEBA) österreichweit mehr als 200 Projekte und ergänzende
Maßnahmen zur beruflichen Inklusion um. Als Dachverband bündeln wir
die Stimmen unserer Mitglieder, vernetzen sie untereinander und
bieten gezielte Fortbildung.
Hinweis für die Redaktion: Videos der Reihe „Mein Job, mein
Alltag“ können unter Nennung der Quelle dabei-austria zur
redaktionellen Verwendung honorarfrei eingebettet oder verlinkt
werden. Bei Bedarf an weiterem Bildmaterial oder
Interviewmöglichkeiten wenden Sie sich bitte an die unten angegebene
Pressestelle.