Wien (OTS) – Mit großem Bedauern geben der Vorstandsvorsitzende
Direktor Mag.
Peter Weinhäupl und die stv. Direktorin Mag. Sandra Tretter im Namen
von Vorstand und Team der Klimt-Foundation den Tod ihrer im Jahr 1922
geborenen Stifterin bekannt.
Ursula Lena Ucicky begründete im Herbst 2013 die gemeinnützige
Forschungseinrichtung, die sich seither um die Verwaltung und
Erforschung der von ihrem Mann Gustav Ucicky – dem ersten unehelichen
Sohn von Gustav Klimt – geerbten Kunstsammlung bemüht.
Voller Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserer Stifterin, die
mit der Gründung der Klimt-Foundation die provenienztechnische
Aufarbeitung ihrer Kunstsammlung und darüber hinaus vielfältige
Forschungen und Publikationen zu Gustav Klimt und der Epoche “Wien
1900” ermöglichte. Sie definierte mit ihrer weltoffenen Lebensweise
die Gründungssäulen der Stiftung und prägte unsere interdisziplinäre
Arbeitsweise entscheidend mit.
Zwtl.: Die Stifterin Ursula Lena Ucicky | 1922–2025
Ursula Lena Ucicky wurde 1922 in Cottbus geboren. Ihr
ursprünglich aus Brünn stammender jüdischer Vater Heinrich Kohn besaß
in Forst/Lausitz, dem damaligen „Manchester Deutschlands“, Anteile
einer Tuchfabrik.
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die Fabrik und das Vermögen
beschlagnahmt, Ursula Lena Kohn aus öffentlichen Schulen verbannt und
als „staatenlos“ erklärt. In Hamburg untergetaucht, konnte sie nur
Privatschulen besuchen. Den Feuersturm, ausgelöst durch britische
Bomber in Antwort auf die Angriffe der Deutschen auf London,
überlebte sie nur knapp. Nach der Befreiung der deutschen Hafenstadt
1945 wurde Ursula Lena Kohn von der britischen Militärregierung als
leitende Assistentin engagiert. Nach Monaten in Deutschland wanderte
sie nach England aus und lebte später in einem Kibbuz in Israel. Nach
vielen Jahren der Abwesenheit kehrte Ursula Kohn 1953 nach Hamburg
zurück und lernte dort den Filmregisseur und ersten unehelichen Sohn
Gustav Klimts Gustav Ucicky (1899-1961) kennen. Dieser erlangte
bekanntlich mit dem NS-Film Heimkehr (1941, Drehbuch: Gerhard Menzel)
traurige Berühmtheit, hingegen gerieten seine Filmproduktionen der
frühen Wien-Film Zeit (u.a. Café Elektric , 1927) und später für die
UfA während der Weimarer Republik bewusst in Vergessenheit.
1957 heiratete Ursula Lena Kohn den unehelichen Sohn Klimts. Sie
war seine dritte Ehefrau. Kurz vor der Hochzeit verfasste Kohn, die
als Regieassistentin und freie Journalistin tätig war, einen Artikel
über Ucickys Kunstsammlung in der Zeitschrift Alte und Moderne Kunst
. Nach Gustav Ucickys Tod im Jahr 1961 ging die verbliebene
Kunstsammlung im Zuge der Verlassenschaftsabhandlung in ihr Eigentum
über.
Ursula Lena Ucicky, die zurückgezogen in Wien lebte, war es immer
ein Anliegen ihre Sammlung der Öffentlichkeit zur Verfügung zu
stellen und zu beforschen, vor allem auch in Hinblick auf ihre
Provenienz. 2013 vereinbarte sie als Privatperson für Klimts Gemälde
Wasserschlangen II (1904, Privatbesitz, courtesy of HomeArt) gemäß
den Washingtoner Prinzipien einen Vergleich mit den Erben nach Jenny
Steiner. Im selben Jahr gründete sie die gemeinnützige Klimt-
Foundation und brachte die in ihrem Besitz verbliebenen Klimt-Werke
in diese ein. Als eine der ersten Handlungen der Stiftung wurde
2014/15 die Herkunftsgeschichte des Gemäldes Porträt Gertrud Loew (
1902, The Lewis Collection) mit namhaften Rechtsexperten und
Provenienzforscher:innen beforscht und ein Vergleich mit den Erben
nach Gertrud Felsövanyi erzielt.
2019 gab die damals 97-Jährige dem österreichischen Autor Georg
Markus ein exklusives Interview , das erstmals Einblicke in ihre Vita
und die Stiftungsgründung gewährte. Zu Ehren von Ursula Ucickys
facettenreichem Leben und Wirken wird ihre Filmbiografie im Rahmen
einer Gedenkveranstaltung im Frühjahr 2026 erstpräsentiert. Weitere
Details folgen.