Wien (OTS) – Künstliche Intelligenz hat in den letzten zwölf Monaten
die
Spielregeln der Cybersicherheit neu geschrieben: Cyberangriffe sind
im Jahr 2026 deutlich professioneller, schneller und schwerer zu
erkennen. Gleichzeitig wachsen technologische Abhängigkeiten,
digitale Souveränität wird im geopolitischen Wettstreit zur
Voraussetzung für Handlungsfähigkeit. Für die elfte Ausgabe der
Studie „Cybersecurity in Österreich“ hat KPMG in Kooperation mit dem
Sicherheitsforum Digitale Wirtschaft des Kompetenzzentrum Sicheres
Österreich (KSÖ) 1.396 heimische Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit
Cyberkriminalität und -sicherheit befragt.
Cyberangriffe auf heimische Unternehmen sind in den letzten zwölf
Monaten – auch wenn diese bereits auf hohem Niveau waren – noch
einmal gestiegen. 25 Prozent der Befragten sagen, dass Cyberangriffe
auf ihr Unternehmen stark bzw. eher zugenommen haben. Jeder 8.
Cyberangriff war dabei erfolgreich und überwand die
Sicherheitsbarrieren der Unternehmen. Der Trend, der sich abzeichnet:
Cyberangriffe werden effizienter, nicht harmloser. Heute dominieren
unauffällige und mit KI strategisch orchestrierte Angriffe das Bild.
Top 5 Angriffsarten 2026 und aktuelles Lagebild
Die Top-Angriffsarten sind auch in diesem Jahr Malware über E-Mail-
Anhänge (von 78 Prozent der Unternehmen berichtet), (Spear-)Phishing
über Links (69 Prozent), die Ausnutzung von Hardware-/Software-
Schwachstellen (58 Prozent), Business-E-Mail-Compromise, also CEO-
/CFO-Fraud (57 Prozent), sowie Scam-Anrufe (52 Prozent).
Abgenommen haben im Vergleich zum Vorjahr Denial-of-Service-
Attacken, Scam-Anrufe und (Spear-)Phishing-Angriffe. Gestiegen sind
unter anderem die Umgehung der Multifaktor-Authentifizierung (MFA)
sowie Angriffe gegen Industriesteuerungsanlagen (OT). Neu
hinzugekommen ist das Ausnutzen von Hardware-/Software-
Schwachstellen, was verdeutlicht, dass KI die Art der Angriffe in den
letzten zwölf Monaten wesentlich verändert hat.
– Die Hälfte aller Angriffe (50 Prozent) lässt sich auf organisierte
Kriminalität zurückführen.
– Jeder 10. Angriff wird von staatlich unterstützten Akteuren
ausgeführt.
– Jedes 4. von Ransomware betroffene Unternehmen gibt an, die
Lösegeldforderungen bezahlt zu haben.
– In 40 Prozent der Angriffsfälle war ineffektives Patch-Management
das Einfallstor.
– Cyberangriffe kommen vorwiegend aus Europa (21 Prozent), gefolgt
von Asien (16 Prozent). 63 Prozent (Zunahme um 20 Prozent gegenüber
dem Vorjahr) konnten die Herkunft der Angriffe nicht feststellen.
– Nur 15 Prozent sind zuversichtlich, dass Österreich gut darauf
vorbereitet ist, auf schwerwiegende Cyberangriffe gegen die Kritische
Infrastruktur zu reagieren.
Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln
Cyberangriffe werden verstärkt durch KI unterstützt und sind damit
schneller, skalierbarer und schwerer vorhersehbar. „Wir stehen mit KI
an einem Wendepunkt und bewegen uns weg von einer Welt, die auf
klaren Regeln, bekannten Mustern und nachvollziehbaren Reaktionen
basiert, hin zu Systemen, die Entscheidungen zunehmend autonom
treffen und die wir nicht immer vollständig nachvollziehen können.
Die zentrale Frage ist daher nicht nur, ob KI eingesetzt wird,
sondern ob sie steuerbar bleibt“, beschreibt KPMG Partner und
Studienautor Robert Lamprecht die aktuelle Lage.
Besonders kritisch ist zudem die Verkürzung der Zeitspanne
zwischen dem Auffinden von Schwachstellen und deren Ausnutzung durch
die Angreifer. Was früher Tage oder Wochen gedauert hat, kann heute
in wenigen Stunden passieren. Gleichzeitig herrscht in Unternehmen
eine spürbare Skepsis, ob KI tatsächlich zur Verbesserung der
Cybersicherheit beiträgt (nur 33 Prozent Zustimmung), da die Vorteile
aktuell stärker aufseiten der Cyberkriminellen gesehen werden.
– Für jedes zweite befragte Unternehmen (50 Prozent) stellen KI-
unterstützte Cyberangriffe die größte Herausforderung dar.
– 47 Prozent geben an, dass bei Cyberangriffen gegen ihr Unternehmen
verstärkt KI eingesetzt wird. Darauf reagieren Unternehmen bereits:
28 Prozent haben sich mit dem Einsatz von KI zur Verbesserung der
eigenen Cybersicherheit beschäftigt.
– Bei 61 Prozent führten Anwender:innenfehler bei der Nutzung von KI
zu Cybersicherheits- und Datenschutzvorfällen sowie Know-how-Abfluss.
Die Entwicklung hin zu autonomen KI-Systemen stellt Unternehmen
vor grundlegende Herausforderungen, insbesondere im Spannungsfeld
zwischen Geschwindigkeit, Kontrollverlust und regulatorischen
Anforderungen.
Lieferkette als zentrale Schwachstelle
Die Lieferkette gilt als einer der am wenigsten kontrollierten
Bereiche, da Unternehmen durch die zunehmende Vernetzung den
Überblick über Abhängigkeiten und Schnittstellen verlieren. Angreifer
nutzen gezielt die schwächsten Glieder in komplexen IT-Ökosystemen
aus, wodurch nicht einzelne Unternehmen, sondern die gesamte
vernetzte Struktur verwundbar wird.
– Mehr als jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) gibt an, dass es im
Zusammenhang mit einem Angriff auf Dienstleister/Lieferanten zu einem
Angriff auf das eigene Unternehmen kam (mehr als eine Verdoppelung
gegenüber 2025).
– Bei 39 Prozent waren Dienstleister oder Lieferanten innerhalb der
letzten zwölf Monate Opfer eines Cyberangriffs. Bei weiteren 14
Prozent gab es einen Verdacht.
– 31 Prozent haben Sorge, dass Zulieferer nicht dieselben
Sicherheitsstandards wie das eigene Unternehmen einhalten und dadurch
zum Einfallstor werden.
Cybersecurity ist also längst keine isolierte Unternehmensaufgabe
mehr, sondern eine Frage kollektiver Resilienz entlang der gesamten
Wertschöpfungskette . „Es geht nicht darum, Lieferanten als Risiko zu
sehen. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass unsere Vernetzung unsere
größte Stärke und gleichzeitig unsere größte Verwundbarkeit ist“,
erklärt KPMG Partner Andreas Tomek .
Digitale Souveränität als wirtschaftliche Notwendigkeit
Digitale Souveränität ist ein Eckpfeiler wirksamer Cybersicherheit.
Nur wer Kontrolle über Daten und Infrastruktur hat, kann
Abhängigkeiten und Risiken reduzieren und bleibt im Ernstfall
handlungsfähig. Fakt ist aber: Viele Unternehmen sind in zentralen
Bereichen auf digitale Infrastrukturen angewiesen, die sie selbst
nicht kontrollieren.
– 70 Prozent sind sehr oder eher abhängig von digitalen Technologien
und Dienstleistungen aus anderen Ländern .
– 69 Prozent der Cybersicherheitsanwendungen werden aus dem Ausland
bezogen.
– 54 Prozent derjenigen, die ihre Abhängigkeiten kennen, geben an,
nur bis zu 3 Monate ohne entsprechende Technologien und
Dienstleistungen aus dem Ausland weiterarbeiten zu können.
Cybersicherheit endet nicht bei technischen Schutzmaßnahmen. Denn
sind Onlinedienste, Plattformen oder Cloud-Lösungen von heute auf
morgen nicht mehr verfügbar, geraten Unternehmen in reale
Existenzprobleme. Andreas Tomek dazu: „Für digitale Souveränität ist
es notwendig, dass Unternehmen ihre strategische Ausrichtung neu
denken und Abhängigkeiten klar identifizieren und analysieren.“
Gemeinsame Kraftanstrengung für Cybersicherheit
Die steigende Komplexität und Dynamik der Bedrohungslage führt zu
einer zentralen Erkenntnis: Cybersicherheit ist nicht länger ein
optionales Investitionsthema, sondern eine Voraussetzung für stabile
Geschäftsmodelle in einer digitalisierten Wirtschaft.
– 78 Prozent der Unternehmen sagen, Österreich muss vermehrt in
Cybersicherheit investieren und die Ausgaben dafür wesentlich
erhöhen.
– 86 Prozent geben an, Österreich muss die Fähigkeit haben, sich im
digitalen Raum verteidigen zu können.
– 58 Prozent finden, dass die heimische Politik im internationalen
Vergleich das Thema Cybersecurity vernachlässigt.
Unternehmen sehen den Staat zunehmend als aktiven Partner in
Sachen Cybersicherheit . Denn Cybersicherheit kann nur in enger
Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten aus allen Bereichen effektiv
gestaltet werden. „Wir brauchen nicht nur das Miteinander von
Unternehmen, Behörden sowie Forschungs- und Technologieeinrichtungen
auf nationaler Ebene: Vielmehr braucht es eine gemeinsame europäische
Kraftanstrengung in einem geopolitisch volatilen Umfeld, um die
digitale Sicherheit von Unternehmen zu unterstützen“, so Michael
Höllerer, Präsident des KSÖ.
Cybersecurity, der Reality Check
Die letzten zwölf Monate haben gezeigt, dass kein Stein mehr auf dem
anderen geblieben ist, wenn es um Cybersicherheit und technologische
Entwicklung geht. Robert Lamprecht fasst zusammen: „Es ist eine Welt,
in der wir den Angreifern gezeigt haben, wie schnell wir heute
verwundbar sind. Im Wettlauf gegen die Cyberkriminellen sind wir um
viele Plätze zurückgefallen, und das Momentum liegt eindeutig auf der
Seite der Angreifer. Angriffe werden dort erfolgreicher, wo
Verteidigung zu spät, zu langsam oder zu bequem ist. Das ist kein
Grund für Alarmismus, aber ein guter Grund für Cybersecurity. Wer
hier noch auf Zeit spielt, wird irgendwann überholt. Nicht die
Bedrohung ist neu. Neu ist nur die Geschwindigkeit. Die entscheidende
Frage für Unternehmen lautet heute nicht mehr, ob sie in
Cybersicherheit investieren sollen, sondern ob sie es sich leisten
können, es nicht zu tun.“
Über die Studie – Österreichs Referenzwerk zum Thema
Cybersecurity
Zum elften Mal in Folge veröffentlicht KPMG gemeinsam mit dem
Sicherheitsforum Digitale Wirtschaft des Kompetenzzentrum Sicheres
Österreich (KSÖ) 2026 die Studie „Cybersecurity in Österreich“.
Zahlreiche persönliche Interviews mit nationalen und internationalen
Expert:innen sowie detaillierte Analysen zum aktuellen Lagebild in
Österreich ergänzen die Publikation. Die Umfrage zur Studie wurde im
Februar und März 2026 von KPMG unter 1.396 österreichischen
Unternehmen durchgeführt. Die Befragten kamen aus kleinen, mittleren
und großen Unternehmen verschiedener Branchen, darunter
Automobilindustrie, Banken, Bauwesen, Bildung, Chemie,
Dienstleistungen, Energie, Gesundheitswesen, Immobilien, Industrie,
Konsumgüter, Medien, Öffentlicher Sektor, Technologie,
Telekommunikation, Tourismus und Versicherungen.
Weitere Informationen sowie die Studie und Bildmaterial zum
Download finden Sie hier: KPMG Newsroom