Wohnen

PRO-GE-Binder zu Lehrlingszahlen: „Wirtschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt“

Wien (OTS) – Angesichts der angespannten Situation am
Lehrstellenmarkt mit einer
aktuellen Lehrstellenlücke von rund 3.500 Stellen zeigt sich die
Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) alarmiert über den starken Rückgang
2025 bei Lehrbetrieben und Lehrlingszahlen. Demnach ist laut der WKO-
Lehrlingsstatistik für 2025 die Anzahl der Lehrbetriebe in Österreich
gegenüber dem Vorjahr um 3,8 Prozent zurückgegangen. „Wir haben mehr
als 1.000 Ausbildungsbetriebe verloren. Das ist in Zeiten eines
steigenden Bedarfs an Facharbeitskräften alarmierend. Wer heute nicht
ausbildet, wird morgen umso lauter nach Fachkräften rufen müssen“,
sagt Reinhold Binder, Bundesvorsitzender der PRO-GE.

Der immer größer werdende Bedarf an Facharbeitskräften ist für
Binder eine zentrale Zukunftsfrage für die heimische Wirtschaft. Ohne
Gegenmaßnahmen könnte sich der Fachkräftemangel sogar negativ auf das
Wirtschaftswachstum auswirken. „Unternehmen brauchen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter, die ausgebildet und qualifiziert sind, um die
wichtigen Zukunftstechnologien zu beherrschen. Ganz entscheidend ist
daher neben der dualen Lehrlingsausbildung auch die in der
Industriestrategie festgehaltene Qualifizierungsoffensive für
ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte“, betont der PRO-GE
Vorsitzende.

Es gelte dem drohenden Verlust von Know-how mit aller Kraft
entgegenzuwirken. Die sinkende Anzahl an Ausbildungsbetrieben und der
Rückgang an Lehrlingen werde die Innovationskraft und
Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe massiv schwächen. Dies werde sich
in den kommenden Jahren weiter verschärfen, kritisiert Binder. Denn
allein in der Sparte „Industrie“ beträgt das Minus an Lehrlingen im
ersten Lehrjahr dramatische 14 Prozent. „Jede 7. Lehrstelle in
Österreichs Industriebetrieben wurde 2025 gestrichen. Mit diesem
Verhalten sägt die Wirtschaft an dem Ast, auf dem sie eigentlich
sitzt“, betont Binder und kritisiert die Kurzsichtigkeit vieler
Unternehmen: „Jeder Fußballverein, jede Blasmusikkapelle oder jede
andere Organisation weiß, warum sie Nachwuchsarbeit betreibt. Ohne
Jugend, keine Zukunft. Ohne Lehrstellen, keine Fachkräfte!“

Um mehr Gerechtigkeit in die Lehrlingsausbildung zu bringen,
fordert die Produktionsgewerkschaft eine Gesetzesänderung.
Ausbildungsbetriebe sollen künftig durch einen Ausbildungsfonds
unterstützt werden. Dieser Fonds solle von jenen Betrieben gespeist
werden, die sich nicht an der Lehrlingsausbildung beteiligen.
„Ausbildungsfaule Betriebe müssen künftig an den Kosten beteiligt
werden. Für die bereits jetzt vorbildlichen Unternehmen wird so mehr
Gerechtigkeit geschaffen und das duale Lehrausbildungssystem wieder
attraktiver werden“, betont Binder.