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Psychische Erkrankungen zwischen Tabu, Behinderung und Inklusion

Wien (OTS) – Dies sind zwei der Erkenntnisse des vierten LICHT INS
DUNKEL-
Dialogforums, das Mitte Februar in Kooperation mit VsUM / mental
health days stattgefunden hat. Rund 80 Erfahrungs- und Fachexpert*
innen, Menschen aus der Behinderten-Community, aus Medizin und
Psychologie, der Politik und Verwaltung sowie aus der Wirtschaft
diskutierten unter dem Titel „Psychische Erkrankungen zwischen Tabu,
Behinderung und Inklusion“. Dabei waren sich die Teilnehmer*innen
einig: Inklusion auf allen Ebenen ist kein nice-to-have, sondern ein
Menschenrecht.

Zwtl.: Stigmatisierung führt zu Gefühlen der Scham, Schuld und
Schwäche

Der Übergang von einer temporären psychischen Belastung zu einer
psychischen Erkrankung kann sich schleichend gestalten. Hält der
Zustand mindestens sechs Monate an, so spricht man entsprechend der
UN-Behindertenrechtskonvention von einer Behinderung. Ob Erkrankung
oder Behinderung, beide sind mit einem Stigma behaftet. 50 Prozent
der Teilnehmer*innen gaben an, dass sie Stigmatisierungen am
häufigsten im öffentlichen Raum begegnen, 33 Prozent bei der Arbeit
und 17 Prozent in der Familie. Es gäbe zwar auch positive Beispiele,
wo etwa Medien bei der Entstigmatisierung helfen, es wäre jedoch an
der Zeit, von Awareness ins Handeln zu kommen und mentale Gesundheit
schon früh im Leben zum Thema zu machen. Denn hier orteten die
Teilnehmer*innen Handlungsbedarf: Sie meinten mit 86 Prozent, dass
junge Menschen heute eine höhere psychische Belastung haben als
früher. Besonders trifft dies auf Young Carers zu – Kinder, und
Jugendliche, die mit Eltern mit einer psychischen Erkrankung leben.
Sie stehen unter mehrfachem Druck und das Tabu, über die psychische
Erkrankung zu reden, lastet meist schwer auf ihren Schultern. Aus
diesem Grund fördert LICHT INS DUNKEL Projekte, die Young Carers
stärken.

Zwtl.: Teilhabe und Inklusion von Menschen mit psychischen
Behinderungen

An Dialogtischen wurde auch die Frage diskutiert, ob es einen
Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und anderen
Behinderungen gibt. Hier kamen die Teilnehmer*innen zu keinem
eindeutigen Befund. So beantworteten 56 Prozent die Frage „Glauben
Sie, dass beim Vorliegen einer körperlichen Behinderung eine
psychische Erkrankung eher auftritt“ mit „Ja“, 21 Prozent mit „Nein“
und 23 Prozent mit „Weiß nicht“. Sie kamen jedoch zu dem Ergebnis,
dass Menschen, die aufgrund einer Behinderung strukturell
ausgeschlossen werden, zumindest mit einer starken psychischen
Belastung leben.

Zwtl.: Über die LICHT INS DUNKEL-Dialogforen

Mit den Dialogforen leistet LICHT INS DUNKEL einen Beitrag zur
Bewusstseinsbildung und öffnet einen Diskursraum. Bei diesen
Veranstaltungen wird beleuchtet, vor welchen Herausforderungen
Menschen mit Behinderungen in unterschiedlichen Lebensbereichen
stehen und welche Lösungen es gibt. Der Blick ist dabei klar nach
vorne gerichtet. Die Dialogforen selbst sind Beispiele gelebter
Inklusion. Sie finden an einem baulich barrierefreien Ort statt, es
gibt Dolmetschung in Österreichischer Gebärdensprache, Live-
Schriftdolmetschung, eine graphische Zusammenfassung in einfacher
Sprache und einen Ruheraum. Und vor allem, Menschen mit Behinderungen
werden aktiv eingebunden.