Wohnen

WKÖ-Fachverband UBIT begrüßt Schwerpunkt der Bundesregierung zu digitaler Souveränität

Wien (OTS) – Der Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT
in der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) begrüßt die Ankündigungen von
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und
Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll, digitale Souveränität
stärker als Standort- und Sicherheitsfrage zu verankern. Aus Sicht
der UBIT ist damit ein zentrales Zukunftsthema der österreichischen
Wirtschaft am richtigen politischen Ort angekommen. Entscheidend sei
nun aber, dass aus strategischen Bekenntnissen konkrete Maßnahmen
werden.

„Digitale Souveränität darf kein Schlagwort bleiben. Wenn
Österreich und Europa bei Cloud, Daten, KI, Cybersecurity und
digitaler Infrastruktur handlungsfähig bleiben wollen, dann muss die
Politik jetzt die Rahmenbedingungen schaffen, damit heimische
Anbieter, Forschungseinrichtungen und Talente auch tatsächlich
gestärkt werden“, sagt Wilfried Drexler, Obmann des Fachverbands UBIT
. „Wer digitale Souveränität fordert, muss sie auch ermöglichen. Das
beginnt bei der öffentlichen Beschaffung, geht über Förderungen für
KMU bis hin zu Investitionen in Infrastruktur, Rechenzentren, IT-
Sicherheit, Forschung und Ausbildung.“

Digitale Souveränität braucht Universitäten und Fachkräfte

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über mögliche massive
Kürzungen der Universitätsbudgets warnt die UBIT davor, digitale
Souveränität nicht nur industriepolitisch, sondern auch bildungs- und
forschungspolitisch zu denken. Österreich könne nicht gleichzeitig
mehr technologische Unabhängigkeit, mehr KI-Kompetenz und mehr
Cybersecurity verlangen und dort sparen, wo die Grundlagen dafür
entstehen: bei Universitäten, Forschungseinrichtungen und der
Ausbildung künftiger IT-Fachkräfte. Insbesondere die Limitierung von
IT-Studienplätzen steht dem entgegen.

„Wenn wir digital souverän auftreten wollen, muss die Politik
verstehen, dass sie digitale Kompetenz nicht nur fordern, sondern
auch finanzieren muss“, so Drexler. „In der Agrarwirtschaft ist das
gelebte Praxis: Wenn wir lokale Bauern stärken wollen, braucht es
Unterstützung. Wenn wir Forschung in Europa wollen, müssen wir
Universitäten und Einrichtungen stärken. Und wenn wir digitale
Souveränität wollen, müssen wir in IT-Infrastruktur, Ausbildung,
Forschung und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
investieren.“

Gerade Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, Cloud-Infrastruktur
und Datenkompetenz seien keine abstrakten Zukunftsthemen, sondern
konkrete Standortfaktoren. Ohne ausreichend ausgebildete Fachkräfte,
starke Hochschulen und angewandte Forschung drohe Österreich in
entscheidenden Technologiefeldern weiter von außereuropäischen
Anbietern abhängig zu werden.

Öffentliche Hand muss mit gutem Beispiel vorangehen

Aus Sicht der UBIT muss der Staat bei digitaler Souveränität
selbst stärker Verantwortung übernehmen. Öffentliche Stellen sollten
bei sensiblen Daten und kritischen digitalen Anwendungen konsequent
auf Lösungen setzen, die Daten sicher auf Servern innerhalb der
Europäischen Union speichern und damit dem europäischen Rechtsrahmen
unterliegen. Ziel müsse sein, zentrale Informationen dem Zugriff
fremder Staaten zu entziehen und zugleich europäische
Technologiekompetenz zu stärken.

„Es geht nicht um digitale Autarkie, sondern um digitale
Selbstbestimmung“, betont Drexler. „Österreich braucht eine
Bewusstseins-Offensive für digitale Souveränität. Bürgerinnen und
Bürger, Unternehmen und öffentliche Stellen müssen besser verstehen,
was es bedeutet, Kontrolle über eigene Daten, Infrastruktur und
digitale Wertschöpfung zu behalten.“

Heimische IT-Wirtschaft als Schlüssel zur Souveränität

Der IT-Bereich innerhalb der UBIT verweist darauf, dass digitale
Souveränität nicht allein durch neue Strategiepapiere entsteht,
sondern durch konkrete Nachfrage, faire Vergabepraxis und
Investitionen in heimische Anbieter. Österreich verfüge über
leistungsfähige IT-Dienstleister, Rechenzentren, Cloud-Anbieter,
Beratungsunternehmen und Cybersecurity-Expertise. Diese müssten
jedoch in der Praxis stärker einbezogen werden.

„Wenn die öffentliche Hand über digitale Souveränität spricht,
muss sie heimische und europäische IT-Lösungen auch aktiv nutzen“,
sagt Martin Puaschitz, IT-Sprecher des Fachverbands UBIT . „Es reicht
nicht, mehr Unabhängigkeit zu verlangen, während Beschaffung und
Investitionslogik weiterhin internationale Großanbieter bevorzugen.
Digitale Souveränität entsteht dort, wo österreichische Unternehmen
faire Chancen bekommen, kritische digitale Leistungen zu erbringen.“

Puaschitz warnt zugleich davor, digitale Souveränität falsch zu
verstehen: „Der Staat soll nicht selbst in Konkurrenz zum freien
Markt Rechenzentren betreiben. Das wäre nicht wirtschaftlich und
würde bestehende heimische Anbieter schwächen. Die bessere Antwort
ist: öffentliche Stellen müssen österreichische und europäische IT-
Dienstleister gezielt nutzen, ihre Leistungen beschaffen und damit
Wertschöpfung, Know-how und Sicherheit im Land halten.“

„Souveränität kostet Geld, Abhängigkeit kostet mehr“

Drexler verweist darauf, dass digitale Souveränität nicht zum
Nulltarif zu haben sei. „Rechenzentren kosten Geld, Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter kosten Geld, Ausbildung kostet Geld und Forschung
kostet Geld. Aber strategische Abhängigkeit kostet langfristig mehr.
Wer heute bei digitalen Kompetenzen spart, zahlt morgen mit weniger
Wettbewerbsfähigkeit, weniger Sicherheit und weniger
Innovationskraft.“

Der Fachverband sieht in der stärkeren Fokussierung auf digitale
Souveränität auch eine industriepolitische Chance für Österreich.
Mehr heimische IT-Wertschöpfung bedeute mehr Sicherheit, mehr Wissen,
mehr Innovationskraft und mehr Wettbewerbsfähigkeit.

„Am Ende geht es um mehr IT-Security, mehr KI-Kompetenz und mehr
digitale Wertschöpfung in Österreich“, so Puaschitz. „Die Studie
zeigt, dass das Bewusstsein in den Unternehmen vorhanden ist. Jetzt
braucht es politische Umsetzungskraft, damit aus Bewusstsein konkrete
Veränderung wird. Digitale Souveränität entsteht nicht durch
Ankündigungen, sondern durch Aufträge, Investitionen und Ausbildung.“
(PWK264/JHR)